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Fernöstliches Tagebuch

von Helmut Rieländer

Seite 37, Teil 2 von 2
12. bis 18. April 2009

Der Weg führte uns anschließend weiter in Richtung Nordosten, dichter an die laotische Grenze heran. Hier suchten wir das Wat Phra Borom That Chom in der Nähe von Thoeng auf. Der mehrstimmige meditative (Sprech-)Gesang von Mönchen über Lautsprecher begrüßte uns und begleitete uns die gesamte Zeit des Aufenthaltes über in der auf einem Berge liegenden Anlage des Wat. Das Bot der Tempelanlage ist im letzten Oktober ein Raub der Flammen geworden. Die vergoldeten Buddha Skulpturen sind gerettet worden und werden in einem kleinen garagenähnlichen Nebengebäude des Wat aufbewahrt. Auch sind bereits Pläne und mittels Computer erstellte Darstellungen von dem neu zu errichtenden Gebäude gefertigt worden und werden in einer kleinen Ausstellung gezeigt. Von dem Plateau des Wat hat man einen phantastischen Blick über die Berge, die im Dunst Laos vermuten lassen.

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Zeichnung der Landschaft um Thoeng in Richtung nordöstlicher Richtung, gesehen vom Hügel des Wat Phra Borom That Chom am 14.04.09

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Zeichnung der Struktur der von Menschen kultivierten Landschaft bei Thoeng, vom Hügel des Wat Phra Borom That Chom gesehen am 14.04.09

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Zeichnung ebenfalls wie die beiden Abbildungen zuvor, mittels Japantusche. Blick vom Parkplatz des Wat Phra Borom That Chom in nördliche Richtung am 14.04.09

Nach diesem Besuch des Wat mit den wunderbaren vielschichtigen Mönchsstimmen ging es weiter entlang des Höhenzuges des Phi Pan Nam Range, auf dessen dahinter liegendem Gebirgskamm die laotisch-thailändische Grenze verläuft. Vier Kilometer hinter Khun Tan bogen wir von der Landstraße 1020 ab... irgendwie kam mir die Gegend bekannt vor. Das kleine Ortsschild mit der thailändischen Schrift hatte ich übersehen. Plötzlich bogen wir in eine Einfahrt ein und waren auf dem ‚Anwesen’ in Ban Huai Hom, bei den Eltern von Chamnan und Meaw. Hier hatten wir vor nunmehr fast zweieinhalb Jahren die Hochzeit von Walter und Meaw – den Besitzern des Häuschens, das ich in Chiang Rai bewohne – gefeiert.

Anouw, die Mutter des Hauses ,kommt gerade aus dem Küchengebäude, das separat vom Wohnhaus - im Kolonialstil erstellt – etwas versteckt dahinter im Garten liegt. Auch Boonchu, Vater der beiden und Herr des Hauses, kommt einen Augenblick später von einem Nickerchen aus dem Wohnhaus. Namwan(Wasser-süß), die Tochter von Chamnan und Kopkun, ‚spielt’ mit einer Nachbarstochter ‚Zubereitung eines Som Tam (scharfer Papaya-Salat)’ auf der Terrasse neben der Küche. Auch Nancy, die Tochter von Meaw, kommt hinzu und setzt sich an den Tisch in der Küche. Nach kürzester Zeit hat Mae Anouw eine süße Speise in Bananenblättern kunstvoll verpackt auf den Tisch gezaubert. Ein Essen, bestehend aus Gemüse, Klebereis und Rindfleisch mit verschiedenen Gewürzen angemacht, steht wenige Minuten später ebenfalls für uns bereit. Anschließend gibt’s einen kleinen Schnaps für mich, der mich sehr an Lao Lao auf Done Daeng erinnert. Mit verflüssigtem Honig dazu ist er noch süffiger. Hier wird mir von Boonchu auch der Begriff des Lao Khao erklärt, er wird nicht nur aus Reis gewonnen, sondern auch als ‚weiß’ – in Abgrenzung zu braunem oder andersfarbenem Schnaps – da er farblos ist, bezeichnet.

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Bild der Eltern von Chamnan und Meaw vor ihrem Haus in Ban Huai Hom (zwischen Thoeng und Chiang Khong) am 14.04.09.

Nach einer knappen Stunde verabschieden wir uns wieder und setzen unsere ‚Gao Jhom-Neujahrs-Pilgerfahrt’ entlang der Route der Wat Pha Thats nun Richtung Norden fort. Unser nächstes Ziel ist das Wat Phra That Chom Kitti am Rande des fast siebzig Kilometer entfernt liegenden Chiang Saen unweit des Mekong.

Auf der Fahrt, gerade in größeren Orten und den drei Städten, die wir auf unserer ‚Pilgerfahrt’ durchfahren, nehmen wir zunehmend nasse Menschen auf den Ladeflächen der Pickups wahr. Auch steht häufig eine große blaue Wassertonne in der Mitte zwischen den Sitzenden. Ab und zu fliegt eine Ladung Wassers von einem Pickup zum anderen... oder auf den einen oder anderen Motorradfahrer, der den Wagen passiert: es ist ‚Songkran’, eines der bewegteren Feste der Thailänder. Ich frage mich, ob es möglicherweise einen Zusammenhang zwischen den ‚Wasserschlachten’ und dem Beträufeln der Fundamente der Chedi oder auch der Buddhaskulpturen gibt. Bei Nachfrage stellen sich doch wieder Verständigungsprobleme einer Lösung in den Weg. Übrigens unterscheiden sich die Chedi hier im Norden und Nordosten des Landes von anderen in Thailand darin, dass sie einen quadratischen Sockel besitzen. Aus diesem Grunde werden sie auch als ‚That’ bezeichnet. Die architektonische Fortsetzung ‚nach oben’ gestaltet sich dann, wie bei den übrigen Bauwerken der ‚Reliquienaufbewahrung’ in Thailand, als glockenförmiger Turm.

Der Himmel verfinstert sich zunehmend. Zeigte das Quecksilber auf der Anhöhe des Wat Phra Borom That Chom noch 35°C im Schatten an, so sind es nun nur noch knapp 26°C. Große Regenwolken ziehen am Horizont gen Nordost auf.

Nach einer knappen Stunde erreichen wir die größere Anlage des Wat Phra That Chom Kitti, am Rande der Stadt Chiang Saen. Die Tempelanlage beherbergt einen über tausend Jahre alten That, der frisch vergoldet ist.

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Wat Phra That Chom Kitti am Rande Von Chiang Saen am 14.04.09 (ebenfalls Japantusche auf Papier)

Um zum nächsten Wat zu gelangen, müssen wir hinunter zur Mekongpromenade, die auch gleichzeitig die Durchgangsstraße zum Sop Ruak (Goldenen Dreieck) ist, nur in die andere nordwestliche Richtung. Die Chaussee ist mit Songkran-Feierern und ‚Wasserattentätern’ sehr belebt. Die ganze Straße ist eine einzige große Wasserlache. Es finden teilweise verbitterte Wasserschlachten zwischen der Besatzung einzelnen Pickups und am Rande der Straße stehenden Wasserspritzern statt. Auch Feuerwehrschläuche finden ihre Verwendung.

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Wasserschlachten anlässlich der Songkran-Feierlichkeiten im nordöstlich von Chiang Rai liegenden Chiang Saen und Umgebung (14.04.09)

Noch drei weitere Wat liegen auf unserer Strecke und sind ‚Programm’ dieser ‚Gao Chom-Pilgerfahrt’ am ersten Tag des neuen Jahres durch die weitere Umgebung von Chiang Rai.

Auf dem Hügel des Wat Phra That Chom Jun sehen wir triefend nasse Pilger, die mit dem Pickup (mit Wasserfass und Eimern) auf dem Gelände des Wat vorfahren, sich der Andacht und des Gebetes widmen, Räucherstäbchen und Kerzen entzünden, um wenige Augenblicke später wieder als ‚Wasserdesperados’ über die Straßen der Provinz zu ‚reiten’. Es ist alles vereinbar, das ist das Schöne und man sieht, dass alle großen Spaß haben und mit Begeisterung dabei sind. Unsere Fahrt setzt sich nun weiter südwärts auf der AH 2 fort.

Als wir uns nun unmittelbar an der Stadtgrenze zu Chiang Rai befinden, werden wir auf der Straße großer Pfützen, verursacht durch ein schweres Gewitter ,das vor einiger Zeit über der Stadt niedergegangen ist, gewahr. Unser Ziel ist das sehr verwunschen wirkende – wohl auch durch die immer noch tief hängenden Gewitterwolken bedingt - Wat Chom Sak.

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Das Wat Chom Sak mit seinem typisch nördlichen That und dem Bot auf der rechten Seite des Bildes angeschnitten (Japantusche auf Papier am 14.04.09)

Die Atmosphäre war auf dem Gelände dieses Wat war besonders, bedingt durch die erhöhte Lage, den Baumbestand rundum und unterstützt durch den zum Teil noch dunklen Gewitterhimmel. Der geflieste Boden vor dem That und dem Bot ‚schwamm’ noch von dem vergangenen Regen. Das Regenwasser war aber warm und angenehm und reinigend für die nackten Füße. Es ist natürlich unabdingbar, dass man vor dem Betreten der unmittelbaren Watanlage die Schuhe abstreift, um Barfuss die heiligen Stätten zu besuchen.

Den letzten Besuch unserer ungefähr dreihundert Kilometer weit reichenden Pilgerfahrt statteten wir dem Wat Phra That Doi Thong unweit des Mae Nam Kok im Stadtgebiet von Chiang Rai ab (siehe auch Tagebuchseite 5).

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Chamnan und Kopkun vor dem That (Chedi) des Wat Phra That Doi Thong in Chiang Rai am 14.04.09.

Der Besuch dieses Wat ist der Abschluss der Fahrt entlang einer Strecke mit neun Wat (und einer ’königlichen’ Watgedenkstätte). Hier goss Chamnan nach Andacht und Gebet, Anstecken von Räucherstäbchen und Kerzen die letzten Reste des duftenden Wassers aus seiner Flasche über den eckigen Sockel des That.

Müde bewegten wir uns dann in die Innenstadt, um unsere letzte Mahlzeit an diesem fortgeschrittenen Abend einzunehmen. Nach diesem langen Tag mochte sich dann doch niemand mehr in die Küche stellen! Es war eine sehr interessante Fahrt mit vielen neuen Erkenntnissen und Eindrücken. Aber ich muss sagen, nun ist mein Bedarf an Wat-Besuchen und Besichtigungen für den Rest meines Aufenthaltes hier in Thailand aber wirklich gedeckt.

Ich warte nun auf einen Bescheid aus Mae Hong Son, von dort möchte ich mit Hilfe der Guesthousebesitzer des Jong Kham Guesthouses die Hilltribe People im Gebirge in Richtung Myanmar besuchen, um einige Zeichnungen und Bilder von der Landschaft und wenn möglich von den Menschen zu erstellen.

Den Rest der Woche bis zum nächsten Donnerstag werde ich der weiteren Aufarbeitung der vergangenen großen Fahrt durch die dreieinhalb Länder widmen. Mein Notebook werde ich nicht mit in die Berge schleppen. Aus diesem Grunde wird es voraussichtlich in zwei Wochen (am 2. Mai) keine Tagebuchseite geben, sondern ich werde eine Zusammenfassung meiner Erlebnisse dann am 9. Mai ‚ins Netz’ stellen. Zuvor gibt es aber in der nächsten Woche noch eine Seite 38 (am 25.04.09).

Allen Lesern eine heitere Zeit des mit ‚aller Gewalt’ nun über Deutschland hereinbrechenden Frühlings, für mich immer die schönste Zeit des Werdens.

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