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Fernöstliches Tagebuch

von Helmut Rieländer

Seite 7
14. - 20. September 2008

Nach Rückkehr aus Sukhothai, Phrae und Phayao, des Erstellens der Tagebuchseite und der Fertigstellung der Skizzen und Zeichnungen, brauchte ich doch den Sonntag – nach nochmaliger Korrektur des Textes – mich zu regenerieren.

Als Ergänzung dieser letzten fast einwöchigen Reise hier noch zwei lockere Zeichnungen. Die erste Skizze zeigt die Busausstattung auf der Fahrt von Phrae nach Phayao (nach einem unscharfen Foto)

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Das Innere des Busses auf der Fahrt von Phrae nach Phayao / 11.09.08

Die zweite flüchtige Zeichnung zeigt noch einmal den Blick über den Kwan Phayao von der Terrasse des Wat-Anbaus des Wat Si Khom Khram.

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Blick gegen Abend über den Kwan Phayao / 11.09.08

Die Tage zu Beginn dieser neuen Woche sind doch immer noch sehr heiß; einzig die Regentätigkeit hat stark nach gelassen, was sich günstig auf die Luftfeuchtigkeit und deren physische Ertragbarkeit bemerkbar macht.

Am Montag dann eine Tour durch die Stadt (Chiang Rai) gemacht, um die andere Flussseite gen Westen zu erkunden. Nachdem ich über die Brücke des Mae Nam Kok, über die Mae Fa Luang Bridge Richtung Norden gefahren war, bog ich nach ca. 500 Metern nach links ab Richtung Elephant Camp. Nach eineinhalb weiteren Kilometern erreichte ich die Felswand des Doi Tu Pu (573 Meter hoch) und sah schon von weitem Treppenstufen, die in den Fels führten. Ein Tor rechts der Straße kündigte ein Kloster an: das Tham Tu Pu (Buddhist Monk Place). Ich passierte mehrere kleine Häuschen, die aber nur von der Straße aus der Ferne zu sehen und durch einen Graben vor Zutritten geschützt waren. So etwas wie eine ‚Klausnerei’ für buddhistische Mönche. An die Reihe der kleinen Behausungen schloss ein kleiner Tempel ebenfalls in der kleinen Hausform an. Unweit dieses Tempels führte eine breite Treppe hinauf zur Felswand. Die erste Treppe führte auf eine größere Terrasse, an dessen oberen Treppenabsatz die Fahnen des Königs und die von Thailand wehten.

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Eingang zur Tham Tu Pu / (Tu Pu – Grotte / 15.09.08)

Bewacht wird das Areal von zwei bellenden Schäferhunden – sonst bewegt sich nichts auf dem lang gezogenen Grundstück zwischen Wasser und Fels. Die Treppe führt weiter hinauf in den Felsen, in dem eine Öffnung sichtbar wird.

Ich fahre nach dieser kurzen Visite weiter die Straße Richtung Westen. Sie wurde mir durch das Schild an der Abzweigung als Straße zum Elephant Camp angekündigt und wurde nach drei vier Kilometern wieder sehr hügelig, so dass ich umdrehte, um zur Brücke über den Mae Nam Kok zu gelangen. Bevor ich diese querte, fragte ich beim ‚Boatservice’ nach Abfahrzeit und Kosten (350 Baht, ca. 7 Euro) für eine Fahrt nach Tha Ton.

Am nächsten Morgen gegen 9:30 Uhr fuhr ich dann mit dem Rad zum Anleger an der Brücke und gegen 10:30 Uhr ging’s los Richtung Tha Ton.

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Die Brücke Mae Fa Luang über den Mae Nam Kok

Ich teilte das ‚Speedboat’ mit einem jüngeren Paar und dem ‚Kapitän’ und Steuermann in einer Person. Das junge Paar reiste mit Koffer und Taschen den Fluss hinauf. Nach kurzer Zeit kommt mir der eine oder andere Gesprächsfetzen doch bekannt vor: es sind Schweizer, sie wollen auf der Fahrt nach Chiang Mai in Tha Ton eine Zwischenstation einlegen. Das recht laute, aber auch sehr schnelle ‚Speedboat’ verhindert längere, eingehende Unterhaltungen. Das Heck des Bootes trägt den Motor, den Steuermannkapitän und überwiegend uns drei Passagiere. Der Bug hebt sich trotz des Gepäcks nicht unerheblich – so schnurren wir mit starkem Motor unter der ersten Brücke hindurch. Bald passieren wir rechter Hand die Felsen mit der Grotte und der ‚Einsiedelei’ der buddhistischen Mönche. Die Fahrt geht weiter flussaufwärts Richtung Ban Huai Sakhao und Ban Khuean Kaeo. Die Ufer sind abwechslungsreich mit verschiedenstem Gehölz bestanden. Es wechseln sich auch kultiviertes Land mit Obstplantagen und Maisanbau bis hoch in die Hänge. Hügeliges Land und größere Ebenen z.T. mit Reisanbau wechseln sich ab. Anfänglich bestimmen kegelartige Berge, die von Schloten der Vulkane gebildet wurden, die Landschaft. Später flachen die Erhebungen ab. So ‚schlängelt’ sich der Fluss durch die Landschaft und wir mit ihm.

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Im Speedboat auf dem Mae Nam Kok Richtung Tha Ton

16.09.08

Zwischendurch werden Passagiere aufgenommen und einige Kilometer flussaufwärts – nach Absprache – wieder abgesetzt. Nach ca. 20 Flusskilometern kommt das Elefanten Camp, das noch zu Chiang Rai gezählt wird, in Sicht. Direkt am Flussufer teilweise auf Pfählen stehen die ‚Behausungen’ (Unterstände) der Elefanten. Darüber und in Extrahäusern leben und wohnen die ‚Betreuer’ . Am äußeren Ende des Camps legt unser Boot für kurze Zeit an. Große Felsen bilden eine Anlegestelle, auf denen wir gleich von einigen ‚Dompteuren’ begrüßt werden. Durch Aussehen, Kleidung und vielleicht auch einzelne Sprachfetzen werden wir gleich als deutschsprachig identifiziert. Ein Mann mittleren Alters in blauem Hemd weist auf seine schwarze, ca. 5 Meter lange Riesenschlange in einem Holzverschlag und sagt: ‚Nickt beissssen!’ Ich hatte es auch nicht vor! Man kann sich mit den zierlichen Tieren auf der Schulter fotografieren lassen. Wir drei lehnen dankend ab und gehen weiter an verschiedenen Ständen vorbei mit Touristenware (Souvenirs etc.) zu den Elefanten. Sie kommen uns in geziemender Entfernung entgegen. Einer bewegt immer heftig den Kopf wie zu einer bejahenden Geste. Die Tiere leben auf relativ geringem Raume. Die junge Schweizerin bemerkt etwas spitz: “Bei uuns währre das verrbooten, diese Tierrhaltuung!“

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Elephant Camp am Mae Nam Kok 16.09.08

Nach ca. 10 Minuten besteigen wir wieder etwas deprimiert das Boot und fahren weiter flussaufwärts. Linker Hand hinter kleineren Bergen ist der 1778m hohe Doi Chang zu vermuten, an dessen Fuß ich vor vier Wochen schon einmal per Rad (die zwei Versuche, den Wasserfall an diesem Berg zu erradeln) versucht hatte, ihn zu bezwingen (Luftlinie keine 8 km). Kleine belassene Urwaldgebiete wechseln sich nun wieder mit landwirtschaftlich genutzten Flächen ab. Linker Hand liegt nun der Lam Nam Tok National Park. Die von uns rechte Seite – also das linke Flussufer – wird überwiegend landwirtschaftlich genutzt. Teilweise sehen wir Fischer im Wasser stehen, Reusen auslegen oder entleeren. Der Fluss ist teilweise so flach, dass man drin stehen kann. Männer sind damit beschäftigt, mit der Hand flache Boote mit dem Flusskies zu beladen.

Stellenweise wirkt die Flusslandschaft jetzt schon fast lieblich. Einzelne Häuser und Gehöfte zu beiden Seiten weisen auf fruchtbares Land hin.

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Schiffstour auf dem Mae Nam Kok nach Tha Ton 16.09.08

Schnellboote kommen uns entgegen, wir unter fahren Brücken, kommen an einsamen Wats und kleinen Ansiedlungen vorbei. Plötzlich so etwas wie ein kleines schwimmendes Wat vor uns auf dem Wasser. Vermutlich eine Hinterlassenschaft einer Toten- und Einäscherungsfeier in einem der an den Ufern stehenden Wats. (Ich beschrieb vor zweieinhalb Wochen den Trauerzug bei Wiang Chai) Ein solches schwimmendes Mini-Wat wird uns auf dieser Flussfahrt noch drei Mal begegnen. Nach gut drei Stunden weitet sich die bergige Landschaft zu einem großen kesselartigen Tal, durch das der Fluss strömt. An den vor uns liegenden Hängen sind zwei verschieden geformte Türme - Chedis - zu erkennen. Unterhalb eines dieser Chedis steht mitten an dem bewaldeten Hang ein schneeweißer riesiger Buddha – augenscheinlich erste Vorboten des Ortes Tha Ton. Der Fluss schlängelt sich durch diesen Kessel und nach ca. 25 Minuten rückt eine Brücke und dann auf der linken Seite ein Landungssteg mit einigen Booten und drei Häuschen mit Pagode artigen Dächern ins Blickfeld. Schnell wird das Boot fest gemacht und der Koffer und die Taschen des schweizerischen Paares werden an Land gehievt. Nach kurzem Gruß, gute Weiterfahrt und Dank für Tipps in Chiang Mai ihrerseits laufe ich über die Brücke zum gegenüber liegenden Ufer des Mae Nam Kok, der hier immer noch eine Breite von mindestens fünfzig Metern hat. Zuvor fragte ich den Kapitän nach den Abfahrtzeiten des letzten Busses. Gegen 15:30 Uhr über Mae Chan nach Chiang Rai.

Auf der anderen Seite des Flusses befindet sich ein größeres Hotel mit einem dazu gehörigen Restaurant – das ‚Chalet Thaton’. Direkt am Fluss befindet sich eine kleine Terrasse besagten Restaurants mit Blick auf die felsige Wat-Anlage des Wat Tha Ton.

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Gesamtansicht des Wat Tha Ton vom Chalet Thaton gesehen 16.09.08

Der Ober brachte mir die Karte und ich bestellte mir neben unterschiedlichem Fleisch in Curry vorweg eine Cashew -Vorspeise mit Lauchzwiebeln, Chili (sehr dünn und fein geschnitten) sowie fein geschnittene Paprika, dazu eine halbe Limette, die man sich über die frisch gerösteten Cashewkerne drückt, sehr vorzüglich. Zum Fleisch der Reis und zum Nachtisch einen bunten, sehr schönen Früchteteller. Der Ober, der als einziger gut Englisch spricht, bestätigt mir, dass der Bus um 15:30 Uhr direkt oben vor dem Hotel abfährt. Vor, während und nach dem Essen habe ich die oben abgebildete Zeichnung gefertigt. Es waren insgesamt nur knapp ein einviertel Stunden Zeit. Der Ausblick auf das Gebilde aus Fels, grottenartigen Aushöhlungen, Tempelchen und einem Pfad und Treppchen, die sich an der Wand empor winden und mit verschiedenen Heiligen-Statuen bestückt sind.

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Das Wat Tha Ton und die ‚Mariengestalt’ (Ausschnitt)

Gekrönt wird der Felsen durch einen stehenden Buddha (auf der rechten Bildhälfte oben). Durch die schlanke Gestalt und den ‚Heiligenschein’ um den Kopf fühle ich mich an eine Mariengestalt erinnert. Ikonographie wie im Christentum. Hat der Buddhismus das nötig?!

Die Zeit reicht nicht mehr, den Hügel zu erklimmen ... also schnell zu der Stelle, an der der Bus halten soll. Nach ca. 20 Minuten hält ein Motorradfahrer und gibt mir in einigermaßen verständlichem Englisch zu verstehen, dass der Bus schon um 15:00 Uhr gefahren sei. Der nette Ober vom Chalet kommt dazu und ist etwas ratlos. Die Übernachtung im Einzelzimmer im Chalet kostet 1200 Baht (das wäre meine teuerste Übernachtung bisher in Thailand) und weder Wechselklamotten noch Zahnbürste dabei. Ich entschließe mich, zurück zu fahren. Am Ortsausgang steht ein Schild: nach Mae Chan 62 km / bis Chiang Rai 92 Km. Ich muss vor Einbruch der Dunkelheit (ca. 18:30 Uhr) wieder in Chiang Rai am Anleger sein, um mein Fahrrad ohne Rückleuchte abgeholt zu haben. Um die Ecke ist ein Taxi-Haltepunkt an dem einige gelbe Taxis (siehe Tagebuchseite 4 Lampang) samt ihrer Fahrer im Schatten dieses wieder heißen Tages dösen. Nach einem Hin und Her wird ein Preis von 600 Baht (12 Euro) bis nach Mae Chan ausgehandelt. Die Fahrt geht eine fast schnurgerade, aber sehr bergige Straße hinauf und hinunter durch eine wunderschöne grüne, saftige, zum großen Teil kultivierte Landschaft mit rötlicher Erde. Es ist inzwischen kurz nach 16:00 Uhr und der junge verwegene Taxifahrer fährt, was das Zeug hält. Es ist so heiß und das Auf- und Abfahren so einlullend, dass mir nach einiger Zeit die Augen zufallen. Als die Strecke wieder kurviger und schattiger wird, komme ich wieder zu mir. Kurze Zeit später passieren wir einen Polizeiposten (im Häuschen sitzend) . Wir werden beäugt, aber es geschieht nichts. Direkt danach fahren wir an einem Wegweiser nach Mae Salong vorbei. Ich stutze, das war doch ein besonderer Ort?! Beim späteren Nachlesen fällt es mir wieder ein: die Bewohner dieses Ortes Mae Salong (Nok = Umgebung) sind Nachfahren oder vereinzelt Veteranen der ehemaligen Kuomintang Soldaten Chang Kai Cheks, dem Widersacher Mao Tse Tungs. Nach dessen Sieg im Jahre 1949 flohen Chang Kai Chek und seine Soldaten nach Burma (heute Myanmar) und siedelten 1961 nach Thailand über. Die damalige Regierung Thailands sah diese kampferprobten Soldaten als wirkungsvolle Grenzschutztruppe gegen Burma. Sie fingen dann an, im thailändischen Grenzgebiet nicht nur Tee, Gemüse und Obst anzubauen, sondern auch Opium.

Der Ort soll sehr schön sein, Holzhäuser im chinesischen Sti, kleine Krämerläden und Teestuben. Ich werde wohl doch noch einmal einen Abstecher dahin machen, vielleicht, wenn ich mir an der Grenze nach Myanmar in der nächsten Woche einen Stempel für mein Visum abholen muss.

Kurz hinter der Gabelung nach Mae Solong wurde ein Songtheaw-Fahrer von meinem gelben Taxi durch Hupsignal zum Halten gebracht. Er war aus Mae Salong und dem Wortgefecht der beiden Fahrer zu entnehmen, nicht sehr erbaut über den Vorschlag, den Farang (mich!) weitere 30 km nach Mae Chan zu befördern. Also musste mein Fahrer weitere 30 km bis Mae Chan fahren. Als wir dort ankamen, wirkte der Ort wie ausgestorben und weit und breit weder Bus noch Songtheaws, die nach Chiang Rai führen. In diesem Augenblick hielt ein Motorradfahrer in luftiger Montur aber mit Helm, neben dem Taxi. Ob er mich mitnehmen könne( 30 km für 300 Baht!). Um es kurz zu machen, er hatte einen zweiten Helm dabei und wir brausten in gut 20 Minuten von Mae Chan den Highway 1 nach Chiang Rai. An einer Ampel hatte ich ihm nochmals zu verstehen gegeben, dass ich zum Anleger am Mae Kok müsse. Er nickte heftig sagte ‚Yes, yes!’ und setzte mich am Busbahnhof ab. Von dort nahm ich mir ein Tuk-Tuk für wiederum 60 Baht zum Anleger. Als ich mein Fahrrad bestieg, war es 18:00 Uhr und ich musste noch bis ans andere Ende der Stadt radeln.

Die weiteren Tage waren heiss und nicht sonderlich ereignisreich bis auf Mittwoch, wo es zur absehbaren, aber doch nicht erhofften Wahl des neuen Ministerpräsidenten Somchai Wonsawat im Parlament gekommen ist. Der ehemalige Bildungsminister Somchai ist auch der Schwager des sehr umstrittenen, mit dem Vorwurf des Amtsmissbrauches und der Bereicherung abgesetzten und nach London geflohenen ehemaligen Ministerpräsidenten Taksin Shinawatra. Im Englischen heißen Verwandte relativs. So ist wohl hier auch alles relativ (nicht Vetter, sondern Schwager)... und nur eine kleine Randnotiz beim abendlichen Essen am Donnerstag mit Familie in einem chinesischen Restaurant in Chiang Rai.

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An einem Abend in Chiang Rai in der Phaholyothin Road in Chiang Rai

In der nächsten oder übernächsten Woche werde ich einen thailändischen Kochkurs belegen.

Heute gegen Abend war ich schon einmal hier ganz in der Nähe an einem kleinen Wat um einzukaufen (Gewürze, Gemüse, Eier und Obst). Jeden Nachmittag bis 18:30 Uhr ist dort Markt der Bauern und Bäuerinnen der Dörfer drum herum. Das wird nun verarbeitet. Ich bin gespannt!

Angespannt war ich bis heute gegen Abend, als ca. 20 Stunden das Internet nicht funktionierte. Aber Dank Hermann P.s Hilfe ging es dann abends wieder, sodass ich diese Seite abschicken konnte.

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